Jungenbeschneidung

Schmetterling
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Schmetterling »

Mein Mann hat es ja als Junge bewusst miterlebt, das wurde ohne Betäubung gemacht. Für ihn war der Eingriff eigentlich schmerzlos, schlimm waren aber die Tage danach. Er selbst ist aber zufrieden damit und findet es anders auch unhygienisch (er duscht mind. einmal am Tag).

Nun, dass GV für die übertragung von Bakterien verantwortlich ist, welche dann bei Frauen Infektionen auslösen (Harnwegsinfekte), ist nicht einfach so eine "Theorie" sondern eine einfache Tatsache. Das "Problem" bei der Sache ist, dass das Immunsystem der Frau die Bakterien des Partners nicht kennt. (Die Frau hat natürlich ebenso "eigene" Bakterien, welche ihr aber in der Regel nicht schaden, das Immunsystem ist damit vertraut). Das geht soweit, dass Frauen mit chronischen Blasenentzündung sogar den GV verweigern, aus Angst einer erneuten Infektion. Das ist wirklich unangenehm und belastend. Dass so eine Hautfalte ein wunderbares Plätzchen ist für Bakterien aller Art wird wohl jedem einleuchten. Nur dass diese Hautfalte keine Schleimhaut-Flora hat wie z.b. die Scheide, welche Bakterien weitgehend abtötet. Aus dieser Sicht bin ich einfach der Meinung, dass Hygiene durchaus ein Grund sein kann.

Aus religiösen Gründen ist es für mich nicht nachvollziehbar, weil ich nicht religiös bin. :roll: (und hier gibt es ja die Möglichkeit, das nachzuholen, wenn das Kind alt genug ist)

Nur: keinem Mann käme es in den Sinn, den Eltern "Körperverletzung" oder ähnliches vorzuwerfen, wenn er als Kind wegen Vorhautverengung beschnitten wurde. Der Eingriff ist aber genau der gleiche. Die Möglichen Konsequenzen sind die genau die gleichen (psychischer Schaden, körperliche Unversertheit, Mitbestimmungsrecht hat das Kind da schon gar nicht...). Gibt es denn Studien darüber, ob Männer die aus medizinischen Gründen beschnitten wurden, psychischen oder körperlichen Schaden oder Nachteile davon trugen?

(ich hab mich eine Zeit lang intensiver damit befasst, als ich schwanger war und das Geschlecht unklar war. Betroffene/beschnittene Männer sind im Schnitt etwa halbe/halbe. Die einen finden es gut, die andern nicht. Egal ob das nun psyche oder körperliches betrifft. Egal ob medizinisch indiziert oder nicht.)

Bisher war es eine Routine-OP, und nun ist es plötzlich ein mediales Politikum. Ich finde das übertrieben.

Shannon
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Shannon »

Ich finde es auch etwas übertrieben, man sollte eher über andere Dinge diskutieren. Zum Beispiel das man Sans Papiers nicht immer schikanieren darf. :)

Ich gebe dir Recht Schmetterling. Mein Mann hat eigentlich das selbe gesagt wie du. Geht jetzt nicht um GV, sondern für den Mann selber die Hygiene.

Ich denke, dass es halt auch das Sommerloch ist und deswegen das Thema so aufgegriffen wird.

John Doe
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von John Doe »

und ich hab noch niemanden getroffen, der unglücklich ist MIT vorhaut. ich frag allerdings auch nicht jeden mann danach, du etwa?! :shock: :lol:
hingegen war ich bei einer beschneidung dabei, und das hat mir definitiv bestätigt, dass es verboten gehört. das baby versinkt vor lauter schmerz in einen schockzustand!
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waharan
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von waharan »

das Sommerloch trägt sicher auch dazu bei.. siehe Deutschland (Fiskalpaket und ESM!!)

nebst zahlreichen Diskussionen auf tiefem Niveau hier zwei Beiträge einer anderen Perspektive:
http://blog.zeit.de/joerglau/2012/07/16 ... ungen_5637

http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 45060.html
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Shannon
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Shannon »

Danke für die Links

Ich finde beide Artikel haben etwas für sich. Der erste ist wunderbar zynisch. Und ich muss nun auch wirklich sagen: Ich kann nicht mitreden weil ich nicht betroffen bin.

Ja oder Nein?

Eltern müssen für ihre Kinder entscheiden, wenigstens so lange bis sie sich selber äussern können. Das ist doch auch so bei der Religion, mit 14 Jahren dürfen Kinder entscheiden an welchen Gott sie glauben möchten. Wenn nun aber ein Junge zu einer Religion konventieren möchte, die eine Beschneidung aus religiösen Gründen dringend notwendig macht, fügt man ihm dann nicht noch mehr Schmerzen zu? Wenn ein Baby diese OP bekommt ist das Trauma sicher weniger als bei einem 14 Jährigen. Obwohl beim letzteren der Wunsch danach besteht. Kann dann ein Junge seine Eltern verklagen weil er wegen ihnen mehr Schmerzen erleiden musste? Denn schliesslich hätte er diese nicht erdulden müssen und so wird er an seiner eigenen gewählten Religion verhindert.

Ich glaube das Eltern hier wirklich das Nachsehen haben, weil sie die Zukunft ihres Kindes nicht kennen. Bei einem Mädchen ist das eine absolut klare Sache, das muss verboten sein überall auf der Welt! Aber bei einem Jungen?

Eltern müssen für ihre Kinder entscheiden: Vorname und ob das Kind getauft wird. Und wenn, wird es eine katholische oder eine evangelische? Oder doch was anderes?

Ich kenne einen Fall wo ein Junge und ein Mädchen katholisch getauft wurden, weil es die Mutter so wollte. Der Vater ist evangelisch und hat mit der Kirche nicht viel am Hut. Und nun muss der Junge bald in den Unterricht, damit sein religiöser 'Werdegang' weiter gehen kann. Der Junge hat aber schon im normalen Leben zu kämpfen, braucht auch Förderunterricht. Ist das dann nicht auch irgendwie 'falsch' den Jungen zu etwas zu zwingen was er nicht möchte?

Okay, Vorname und auch Religion kann ein Kind irgendwann ändern lassen, wenn gute Gründe dafür sprechen. Aber ist hier dann nicht auch mit einem psychischen Schaden zu rechnen? Theoretisch?

Ich würde mein Kind nur taufen lassen in einer evangelischen Kirche und mit 14 Jahren soll es dann bitte selber entscheiden was es möchte. Den Vornamen würde ich so wählen das mein Kind nicht ausgelacht wird oder man den Namen abkürzen kann. Ich hasse Abkürzungen! ;) Was würde ich machen wenn ich einen Jungen hätte? Ich glaube fast, dass ich den Schnitt machen lassen würde. Vielleicht.

Schmetterling
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Schmetterling »

John Doe hat geschrieben:und ich hab noch niemanden getroffen, der unglücklich ist MIT vorhaut. ich frag allerdings auch nicht jeden mann danach, du etwa?! :shock: :lol:
hingegen war ich bei einer beschneidung dabei, und das hat mir definitiv bestätigt, dass es verboten gehört. das baby versinkt vor lauter schmerz in einen schockzustand!
Naja, ein Baby wird ja bei uns in einem Spital auch betäubt und wir verfügen über gute Schmerzmittel. Ohne würde ich das auch niemals machen!

Ne, ich frage nicht jeden Mann danach :lol: aber die von denen ich es weiss oder ich darüber gesprochen haben: Eigentlich waren die bis jetzt alle zufrieden so wie es ist, ob nun beschnitten oder nicht.

Ich denke, v.a. weil halt da das Thema der Religion rein gebracht wurde, ist es eine Diskussion auf anderer Ebene (REligionsfreiheit etc.). Eigentlich sollte man dieses Thema ja unabhängig von der Religion diskutieren. Letztlich kann man sich auch mit 90 noch taufen lassen oder konvertieren, oder auch sich beschneiden lassen. Und ich denke, hm: was sagen denn die Geistlichen zu unbeschnittenen Jungen? (Juden und Muslime) Werden die ausgeschlossen? Gelten die als unrein (ist ja in beiden Religionen ein grosses Thema)? Wenn schon es aus religiösen Gründen geschieht, dann könnte man es ja an die religiöse Mündigkeit (14 Jahre) binden. Und von einem unreligiösen Arzt durchführen lassen (der kann dann auch "neutral" informieren).

John Doe
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von John Doe »

von hier: http://www.drmom ma.org/2010/01/cut-vs-intact-outcome-statistics.html
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Schmetterling
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Schmetterling »

Bezieht sich das auf alle beschnittenen Jungs oder solche die in einem Spital von einem ausgebildeten Arzt beschnitten werden?

John Doe
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von John Doe »

?
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Schmetterling
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Schmetterling »

Was ist denn unklar an der Frage?
Es spielt wohl eine Rolle, ob ein Junge unter zweifelhaften Bedingungen beschnitten wird, oder in einem Spital von einem ausgebildeten Arzt, Pflegepersonal, etc.
Entsprechend sieht dann die Statistik auch anders aus...

John Doe
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von John Doe »

? = ich weiss es nicht

es hat auf der website eine lange liste von quellangaben, vielleicht (hoffentlich) ist das dort beschrieben.
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Schmetterling
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Schmetterling »

ach so.

"traue keiner statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" A. Einstein
:mrgreen:

John Doe
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von John Doe »

hast du jetzt sämtliche quellen studiert oder was verleitet dich zu ein solch schadenfrohen kommentar?
ich hatte damit nämlich gar nichts bestimmtes sagen wollen, nur dies mal einstellen, damit ich es nicht vergesse und verliere. wenn ich damit etwas bestimmtes hätte sagen wollen, dann hätte ich es schon geschrieben.

inzwischen kam auch im beobachter ein kurzes interview zum thema, bezüglich dem urteil in deutschland, leider mit einer religionswissenschaftlerin. obwohl es ja eigentlich nicht um religion, sondern um körperliche (un)versehrtheit geht. aber sie hat immerhin etwas einigermassen gescheites angemerkt, nämlich, dass sich eigentlich nicht die religionen, sondern die mediziner mal dazu äussern sollten.
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alte häsin
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von alte häsin »

bei statistiken ist leider transparenz wenig usanz: wer fragt wie viele warum und wozu, in welchem zusammenhang, wer ist der auftraggeber?

ich tendiere auch zum statistikmisstrauen (obwohl das zitat wohl nicht von einstein ist?)

dasch nüt gäge J:D: gäll!
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Shannon
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Re: Jungenbeschneidung

Ungelesener Beitrag von Shannon »

also ich glaube das dies ein thema ist wo man total lange darüber diskutieren kann. es ist sicher nicht richtig das man einem menschen schmerzen zufügt, dass ein baby vor schmerz in ohmacht fällt. ich könnte da auch nicht hinsehen, da würde ich mitleiden.

andererseits mit einer betäubung, vielleicht kurz nach der geburt (ich kenne mich echt nicht aus, habe das nur mal in einer tv serie gesehen) ist es da vertretbar?

ist schwierig so etwas zu entscheiden als frischgebackene eltern eines knaben. man will ja das richtige machen und nur das beste für sein kind. ich muss meinen bruder mal fragen wie sie das bei meinem neffen gelöst haben, der wurde vor kurzem 8 jahre alt und wird katholisch erzogen. vom glauben her ist also eine beschneidung nicht 'wichtig' wenn ich mich richtig erinnere.

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